Das Buch von Lisa Jewell ist ein Roman und eine Lese-Empfehlung zum Thema Messie (Messie-Syndrom, Hoarding auf Englisch).  Es geht um eine Hauptperson, die ein Messie ist, und um die Folgen für ihre Familie und deren Beziehungen zu anderen Menschen, entstehende Patchworkfamilien.

Es laufen 3 Erzählstränge durch das Buch, die sich immer wieder abwechseln und je weiter man liest das Puzzle der ganzen Geschichte vervollständigen. Normalerweise mag ich keine Bücher mit parallel laufenden Geschichten lesen, die wenn ein Kapitel super spannend endet zum nächsten springt. In diese Buch passt es aber sehr gut, da jedes Kapitel (jede Gesichte) in sich abgeschlossen ist. Man lernt mit jede Kapitel etwas neues über die Familienmitglieder und den Zusammenhang.

Die Erzählstränge liegen in a) der jüngeren Vergangenheit der Protagonistin, b) die Familiengeschichte, die zu c) der aktuellen Geschichte führte. Sie sind jeweils mit Datum oder anderer Schrift deutlich voneinander abgesetzt und umfassen einen Zeitraum von 30 Jahren.

Mir ging es beim Lesen des Buches darum, etwas oder mehr über das Messie-Syndrom zu erfahren. Auch wenn dies ein Roman ist, könnte die Handlung so stattgefunden haben. Ich habe das Buch in einem Stück durchgelesen. Nach ca. einem Drittel wollte ich aufhören und es weggeben, weil ich meinte, genug erfahren zu haben für meinen Beruf als Professional Organizer. Ich dachte, die tragischen Verzweigungen würde mir nicht mehr Wissen bieten, um meinen zukünftigen Kunden zu helfen. Durch die Erzählung kam ich selbst in eine emotionale negative Stimmung, in die ich mich durch einen fiktiven Roman eigentlich nicht weiter bringen wollte. Dann habe ich aber doch weiter gelesen und fand die Geschichte zunehmend interessanter, mit den Entwicklungen der Protagonisten in ihren unterschiedlichen Leben.

Die Familien-Geschichte ist tragisch, ein Drama, am Ende wird es friedlich. Aber bis dahin geht es sehr deutlich um die Auswirkungen des krankhaften Sammelns für alle Beteiligten in ihrem Verhalten miteinander und ihre Beziehungen zu anderen.

Den deutschen Titel „Der Flügelschlag des Glücks“ (Original: The house we grew up in) kann ich genauso wenig nachvollziehen wie den Zitat-Aufdruck „Einfach wundervoll“.

Das Buch ist kein Messie-Ratgeber, es gibt keine Tipps zum Umgang mit erkrankten Mitmenschen. Dafür würde ich ein weiteres Buch empfehlen 1 Das Buch ist viel mehr eine tragische Geschichte über die Unfähigkeit der Familienangehörigen, das Messie-Syndrom zu verstehen und zu helfen – der Protagonistin und auch sich selbst. Bzw. sich professionelle Hilfe zu holen, in Unkenntnis der (Schwere der) Krankheit.

Ein Messie-Syndrom kann bis hin zur Obdachlosigkeit führen.

 

  1. Digging Out“ von Michael Tompkins und Tamara Hartl hilft Angehörigen im Umgang mit Messie Verwandten – oder Freunden, im Buch alle „your loved ones“ genannt.

Buch rund um das Messie-Syndrom (Roman)
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